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Stieglitz (Carduelis carduelis)

Stieglitz

Least Concern (nicht gefährdet)

Carduelis carduelis

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Über den Vogel

Der Stieglitz, auch Distelfink genannt, ist ein kleiner, farbenprächtiger Singvogel aus der Familie der Finken. Er ist bekannt für sein auffälliges rotes Gesicht, die gelben Flügelbinden und seinen melodischen Gesang. Er ernährt sich hauptsächlich von Samen, insbesondere von Distelsamen, was ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. Der Stieglitz ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Westasiens verbreitet und gilt als Kulturfolger, der oft in der Nähe menschlicher Siedlungen anzutreffen ist.

Größe und Lebensdauer

Länge
12-13.5 cm
Flügelspannweite
21-25 cm
Gewicht
14-19 g
Lebensdauer
2-7 Jahre (bis zu 10 Jahre in Gefangenschaft)
Nahrung
Granivor (Samenfresser)

Körperliche Merkmale

Gefieder
Erwachsene Vögel haben ein leuchtend rotes Gesicht, das von einem weißen Band umrandet und von einem schwarzen Scheitel und Nacken abgeschlossen wird. Die Oberseite ist braun, die Unterseite weißlich mit braunen Flankenstreifen. Die Flügel sind schwarz mit einer auffälligen breiten gelben Binde, die im Flug besonders gut sichtbar ist. Der Bürzel ist weiß.
Schnabelform
Konischer, spitzer Schnabel, elfenbeinfarben bis hellgrau, mit dunkler Spitze, perfekt angepasst zum Herauslösen von Samen aus Disteln und anderen Pflanzen.
Augenfarbe
Dunkelbraun.
Beinfarbe
Fleischfarben bis hellbraun.
Erkennungsmerkmale
Das leuchtend rote Gesicht, die gelben Flügelbinden und der schwarz-weiße Kopf sind unverkennbare Merkmale. Kein anderer europäischer Fink hat diese Kombination von Farben.
Jugendkleid
Jungvögel haben ein gestreiftes, bräunliches Gefieder ohne das rote Gesicht und die schwarzen Kopfzeichnungen der Erwachsenen. Die gelben Flügelbinden sind jedoch bereits vorhanden, wenn auch oft weniger leuchtend. Ihr Kopf ist eher einheitlich braun-grau gestreift.
Saisonale Veränderungen
Es gibt keine ausgeprägten saisonalen Gefiederwechsel. Das Gefieder kann im Laufe des Jahres durch Abnutzung etwas matter wirken, aber die Grundfärbung bleibt erhalten. Eine Mauser findet nach der Brutzeit statt.
Geschlechtsdimorphismus
Geringfügig. Männchen haben in der Regel ein etwas ausgedehnteres und intensiveres Rot im Gesicht, das über das Auge hinausreicht. Bei Weibchen ist das Rot meist kleiner und reicht nicht über die Augenmitte hinaus. Ansonsten sind die Geschlechter sehr ähnlich gefärbt.

Bestimmung

  1. 1

    Kopfzeichnung

    Achten Sie auf das leuchtend rote Gesicht, umrahmt von Weiß und Schwarz. Dies ist das auffälligste Merkmal.

  2. 2

    Flügel

    Suchen Sie nach der breiten, leuchtend gelben Binde auf den ansonsten schwarzen Flügeln, besonders gut im Flug sichtbar.

  3. 3

    Körperfarbe

    Der braune Rücken und die weißliche Unterseite mit braunen Flankenstreifen sind weitere gute Hinweise.

  4. 4

    Flugbild

    Der wellenförmige Flug ist charakteristisch und hilft bei der Identifizierung, selbst auf größere Entfernung.

  5. 5

    Gesang und Rufe

    Der perlend-zwitschernde Gesang und der metallische 'tickelitt'-Ruf sind sehr markant und oft der erste Hinweis auf die Anwesenheit eines Stieglitzes.

  6. 6

    Nahrungssuche

    Beobachten Sie, wie er geschickt an Disteln oder Karden hängt, um Samen herauszupulen. Dies ist ein typisches Verhalten.

Lebensraum und Verbreitung

Biome
Offene Landschaften, Kulturland, Gärten, Parks, Obstplantagen, Waldränder, Heckenlandschaften, Brachflächen.
Verbreitungsgebiet
Weite Teile Europas (von Skandinavien bis zum Mittelmeer), Nordafrika, West- und Zentralasien bis nach Sibirien. Eingeführt in Australien, Neuseeland und Uruguay.
Höhenverbreitung
Von Meereshöhe bis etwa 2000 Meter in Gebirgsregionen.
Bevorzugte Lebensräume
Bevorzugt halboffene Landschaften mit einer Mischung aus Bäumen, Sträuchern und offenen Flächen mit Disteln und anderen Samenpflanzen. Oft in der Nähe von menschlichen Siedlungen zu finden, wo Gärten und Parks geeignete Nahrungsquellen und Nistplätze bieten.

Verhalten

Aktivitätszeit
Tagaktiv (diurnal).
Fressgewohnheiten
Spezialisiert auf kleine Samen, insbesondere von Disteln (daher der Name Distelfink), Karden, Kletten, aber auch von Birken, Erlen und anderen Pflanzen. Er ist geschickt darin, Samen aus den Blütenständen zu pulen, oft kopfüber hängend. Gelegentlich werden auch kleine Insekten gefressen, besonders zur Fütterung der Jungvögel.
Sozialverhalten
Außerhalb der Brutzeit sehr gesellig, bildet oft große Schwärme, manchmal gemischt mit anderen Finkenarten. Während der Brutzeit leben sie paarweise, können aber in lockeren Kolonien brüten.
Flugmuster
Charakteristischer wellenförmiger Flug, bei dem er zwischen Flügelschlägen die Flügel anlegt und kurz absinkt, bevor er wieder aufsteigt. Im Flug sind die gelben Flügelbinden sehr auffällig.
Zugverhalten
Teilzieher. In West- und Südeuropa sind sie Standvögel. Populationen aus Nord- und Osteuropa ziehen im Herbst in südlichere Gebiete, oft bis nach Südeuropa oder Nordafrika. Der Zug erfolgt tagsüber in Schwärmen.
Territorialverhalten
Während der Brutzeit verteidigt das Männchen ein kleines Brutrevier um das Nest. Außerhalb der Brutzeit sind sie nicht territorial und suchen gemeinsam nach Nahrung.

Gesang und Rufe

Gesang
Ein lebhafter, melodischer und zwitschernder Gesang, oft mit eingestreuten Trillern und rollenden Elementen. Er klingt fröhlich und perlend, oft mit der charakteristischen Silbe 'stiglit' oder 'tickelitt'. Wird oft von erhöhten Warten oder im Flug vorgetragen.
Ruf
Der häufigste Ruf ist ein klares, metallisches 'tickelitt' oder 'stiglit', das oft im Flug oder bei der Nahrungssuche zu hören ist. Auch ein weiches 'tschuitt' oder 'tschirp' ist zu vernehmen.
Wann er ruft
Der Gesang ist hauptsächlich während der Brutzeit von Frühling bis Frühsommer zu hören. Die Rufe sind das ganze Jahr über zu hören, besonders wenn die Vögel in Schwärmen unterwegs sind.

Brutverhalten

Brutzeit
April bis Juli, oft zwei Bruten pro Jahr.
Nistgewohnheiten
Das Nest wird vom Weibchen gebaut, meist hoch in Bäumen oder Sträuchern, gut versteckt in einer Astgabel. Es ist ein kleines, kunstvolles, napfförmiges Nest aus feinen Wurzeln, Grashalmen, Moos und Flechten, ausgekleidet mit Pflanzenwolle, Haaren und Federn. Die Außenseite wird oft mit Spinnweben und Flechten getarnt.
Gelegegröße
4-6 Eier.
Eibeschreibung
4-6 Eier pro Gelege. Die Eier sind bläulich-weiß bis grünlich-weiß, oft mit feinen rötlich-braunen Flecken oder Kritzeln, besonders am stumpfen Ende.
Brutdauer
11-14 Tage, hauptsächlich vom Weibchen bebrütet.
Nestlingsdauer
13-18 Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Jungvögel das Nest. Sie werden danach noch einige Zeit von den Eltern gefüttert.
Elterliche Fürsorge
Beide Eltern füttern die Jungvögel, wobei das Männchen das Weibchen während der Brutzeit mit Nahrung versorgt und später beide Eltern die Nestlinge und Ästlinge füttern.

Wo zu finden

Gärten und Parks

Besonders in Gärten mit Disteln, Karden oder anderen Samenpflanzen sowie in Parks mit alten Bäumen und Sträuchern.

Brachflächen und Wegränder

Überall dort, wo Disteln, Kletten und andere Wildkräuter wachsen, die Samen produzieren.

Obstplantagen und Weinberge

Bieten oft eine gute Mischung aus Bäumen für Nistplätze und offenen Flächen mit Samenpflanzen.

Waldränder und Heckenlandschaften

Übergangsbereiche zwischen Wald und offener Landschaft sind beliebte Habitate.

Feldtipps

  1. Achten Sie auf Disteln. Suchen Sie gezielt nach Distelfeldern oder einzelnen Distelpflanzen. Stieglitze sind oft dort zu finden, wo ihre Hauptnahrungsquelle reichlich vorhanden ist.
  2. Hören Sie auf den Gesang. Der charakteristische Gesang und die Rufe sind oft der erste Hinweis. Lernen Sie, sie zu erkennen.
  3. Beobachten Sie Schwärme. Außerhalb der Brutzeit sind Stieglitze oft in Schwärmen unterwegs. Halten Sie Ausschau nach Gruppen von kleinen Vögeln, die wellenförmig fliegen.
  4. Geduld und Fernglas. Stieglitze sind oft in Bewegung. Ein gutes Fernglas hilft, die feinen Details des Gefieders zu erkennen.
  5. Futterstellen. Im Winter besuchen Stieglitze gerne Futterstellen, die kleine Samen wie Nigersamen oder Sonnenblumenkerne anbieten.

Ähnliche Arten

Grünfink

Chloris chloris

Der Grünfink ist größer und kräftiger gebaut, hat ein überwiegend grünlich-gelbes Gefieder und auffällig gelbe Flügel- und Schwanzseiten. Ihm fehlt das rote Gesicht und die schwarz-weiße Kopfzeichnung des Stieglitzes.

Erlenzeisig

Spinus spinus

Der Erlenzeisig ist kleiner und schlanker als der Stieglitz, hat ein gelb-grünliches Gefieder mit schwarzen Streifen und einen schwarzen Scheitel und Kinnfleck (Männchen). Ihm fehlt das rote Gesicht und die breite gelbe Flügelbinde des Stieglitzes.

Bluthänfling

Linaria cannabina

Der Bluthänfling (Männchen im Prachtkleid) hat eine rote Stirn und Brust, aber ihm fehlt das rote Gesicht und die gelben Flügelbinden des Stieglitzes. Sein Gefieder ist überwiegend braun-grau.

Kurzinfos

Deutscher Name:
Stieglitz, Distelfink
Wissenschaftlicher Name:
Carduelis carduelis
Familie:
Fringillidae (Finken)
Größe:
12-13.5 cm
Ernährung:
Samen (insbesondere Disteln)
Besonderes Merkmal:
Rotes Gesicht, gelbe Flügelbinden
Status:
Nicht gefährdet (Least Concern)

Wissenswertes

  • Der Stieglitz war 2016 'Vogel des Jahres' in Deutschland.
  • Sein wissenschaftlicher Name 'Carduelis' leitet sich vom lateinischen Wort 'carduus' für Distel ab, was seine Vorliebe für Distelsamen widerspiegelt.
  • In der Kunstgeschichte ist der Stieglitz ein häufiges Motiv, oft als Symbol für die Passion Christi oder die Auferstehung, da er sich von Dornen (Disteln) ernährt.
  • Stieglitze sind sehr geschickte Kletterer und können kopfüber an Pflanzen hängen, um an Samen zu gelangen.
  • Sie sind bekannt für ihre Fähigkeit, auch sehr kleine Samen zu knacken und zu fressen, die für andere Vögel unzugänglich sind.

Systematik

Reich
Animalia
Stamm
Chordata
Klasse
Aves
Ordnung
Passeriformes
Familie
Fringillidae
Gattung
Carduelis
Art
Carduelis carduelis

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