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Schreiadler

Vulnerable (VU)

Clanga pomarina

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Über den Vogel

Der Schreiadler ist ein mittelgroßer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen. Er ist ein Zugvogel, der in Osteuropa brütet und in Afrika überwintert. Er ist bekannt für seine Anpassung an offene Waldlandschaften mit angrenzenden Feuchtgebieten und seine Ernährung, die hauptsächlich aus kleinen Säugetieren, Amphibien und Reptilien besteht. Sein Bestand ist in vielen Teilen seines Verbreitungsgebietes rückläufig, was ihn zu einer Art mit besonderem Schutzbedarf macht.

Größe und Lebensdauer

Länge
55-67 cm
Flügelspannweite
143-168 cm
Gewicht
1200-2200 g (Männchen), 1400-2500 g (Weibchen)
Lebensdauer
Bis zu 26 Jahre in freier Wildbahn
Nahrung
Carnivore (hauptsächlich kleine Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Insekten, selten Vögel)

Körperliche Merkmale

Gefieder
Adulte Vögel sind überwiegend dunkelbraun gefärbt, mit einer leicht helleren Unterseite. Der Kopf und die Flügeldecken sind oft etwas dunkler. Ein charakteristisches Merkmal ist ein kleiner, heller Fleck an der Basis der Handschwingen auf der Oberseite des Flügels (Karpalplatte) und oft ein hellerer Nackenfleck. Die Unterflügeldecken sind dunkelbraun, die Schwungfedern sind heller mit dunklen Spitzen und einer dunklen Endbinde. Der Schwanz ist relativ kurz und dunkelbraun.
Schnabelform
Kräftiger, hakenförmiger Schnabel, schwarz mit gelber Wachshaut an der Basis.
Augenfarbe
Dunkelbraun
Beinfarbe
Gelb
Erkennungsmerkmale
Im Flugbild wirkt der Schreiadler kompakt mit breiten, gerundeten Flügeln, die oft leicht nach unten gebogen gehalten werden (flacher V-Flug). Die hellen Flecken an den Handwurzeln (Karpalplatten) sind ein gutes Erkennungsmerkmal. Der helle Nackenfleck ist oft sichtbar. Im Segelflug sind die Flügel oft leicht nach vorne gewinkelt. Die dunkle Endbinde am Schwanz und an den Schwungfedern ist ebenfalls auffällig.
Jugendkleid
Jungvögel sind insgesamt dunkler als Altvögel, oft mit einer deutlichen hellen Fleckung an den Flügeldecken und einer helleren, oft gelblich-braunen Unterseite mit dunklen Längsstreifen. Der Nackenfleck ist bei Jungvögeln oft ausgeprägter und gelblich. Die hellen Karpalplatten sind ebenfalls vorhanden, können aber bei Jungvögeln noch deutlicher sein. Die Iris ist bei Jungvögeln heller, oft gelblich-braun.
Saisonale Veränderungen
Keine signifikanten saisonalen Gefiederänderungen. Das Gefieder kann durch Abnutzung im Laufe des Jahres etwas heller wirken.
Geschlechtsdimorphismus
Geringfügig; Weibchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Männchen, aber die Gefiederfärbung ist identisch.

Bestimmung

  1. 1

    Größe und Proportionen

    Mittelgroßer Adler, wirkt im Flug kompakt und rundlich mit relativ kurzen, breiten Flügeln und kurzem Schwanz.

  2. 2

    Flugbild

    Charakteristischer flacher V-Flug beim Segeln und Kreisen, Flügel oft leicht nach vorne gewinkelt. Ruderflug kräftig mit tiefen Schlägen.

  3. 3

    Gefieder (adult)

    Gleichmäßig dunkelbraun, oft mit hellem Nackenfleck und kleinen, hellen Flecken an den Handwurzeln (Karpalplatten) auf der Flügeloberseite. Unterseite der Schwungfedern heller mit dunklen Spitzen und dunkler Endbinde.

  4. 4

    Gefieder (juvenil)

    Dunkler als Altvögel, oft mit deutlicher heller Fleckung auf den Flügeldecken und gelblich-brauner, gestreifter Unterseite. Heller Nackenfleck und Karpalplatten oft ausgeprägter.

  5. 5

    Ruf

    Klagendes, scharfes 'kiii-äh' oder 'kiii-eeh', das an einen Mäusebussard erinnern kann, aber schärfer ist.

  6. 6

    Habitat

    Bevorzugt offene Waldlandschaften mit angrenzenden Feuchtgebieten, Wiesen und Ackerland.

Lebensraum und Verbreitung

Biome
Gemäßigte Wälder, Feuchtgebiete, offene Landschaften
Verbreitungsgebiet
Brutgebiete erstrecken sich von Ostdeutschland und Polen über Osteuropa bis zum Ural und Kaukasus. Überwinterungsgebiete liegen hauptsächlich im südlichen und östlichen Afrika.
Höhenverbreitung
Brütet typischerweise in niedrigen bis mittleren Höhenlagen, meist unter 1000 m, in Überwinterungsgebieten auch in höheren Lagen.
Bevorzugte Lebensräume
Bevorzugt offene, reich strukturierte Kulturlandschaften mit einem Mosaik aus Laub- und Mischwäldern (oft in der Nähe von Feuchtgebieten, Mooren, Wiesen und Ackerland), die reich an Beutetieren sind. Benötigt alte Bäume für den Nestbau.

Verhalten

Aktivitätszeit
Tagaktiv (diurnal).
Fressgewohnheiten
Jagd hauptsächlich von einem Ansitz aus oder im niedrigen Suchflug. Die Beute wird am Boden geschlagen. Hauptnahrung sind Wühlmäuse, Frösche, Eidechsen, Schlangen und größere Insekten. Gelegentlich werden auch Jungvögel oder kranke Vögel erbeutet.
Sozialverhalten
Während der Brutzeit territorial und einzeln oder paarweise. Außerhalb der Brutzeit, insbesondere während des Zuges und in den Überwinterungsgebieten, können sich Schreiadler in größeren Gruppen versammeln, oft an Schlafplätzen oder bei reichem Nahrungsangebot.
Flugmuster
Charakteristischer, langsamer und gemächlicher Segelflug mit leicht nach unten gebogenen Flügeln (flacher V-Flug). Wirkt im Flugbild kompakt und rundlich. Der Ruderflug ist kräftig mit tiefen Flügelschlägen.
Zugverhalten
Langstreckenzieher. Die Brutvögel verlassen Europa im August/September und ziehen über den Nahen Osten und die Arabische Halbinsel nach Afrika. Die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt im April/Mai. Sie nutzen oft Thermik und ziehen in großen Schwärmen über Engstellen wie den Bosporus.
Territorialverhalten
Während der Brutzeit verteidigen Schreiadler ein Brutrevier, das sowohl den Horstbaum als auch die umliegenden Jagdgebiete umfasst.

Gesang und Rufe

Gesang
Der Schreiadler hat keinen eigentlichen Gesang. Seine Rufe sind eher schreiend und klagend.
Ruf
Der häufigste Ruf ist ein lautes, klagendes 'kiii-äh' oder 'kiii-eeh', das oft wiederholt wird und an den Ruf eines Mäusebussards erinnern kann, aber schärfer und höher ist. Bei Erregung oder am Horst sind auch 'kja-kja-kja' oder 'gick-gick-gick' Rufe zu hören.
Wann er ruft
Hauptsächlich während der Brutzeit, insbesondere bei der Balz, am Horst oder bei Störung. Auch während des Zuges können Rufe zu hören sein.

Brutverhalten

Brutzeit
Mai bis Juli
Nistgewohnheiten
Baut große Horste aus Ästen und Zweigen in hohen Bäumen (oft Eichen, Buchen, Kiefern) in Wäldern, meist in der Nähe von offenen Jagdgebieten. Der Horst wird oft über Jahre hinweg genutzt und ausgebaut.
Gelegegröße
1-2 Eier (durchschnittlich 1.5)
Eibeschreibung
Meist 1-2 Eier, selten 3. Die Eier sind weißlich mit unregelmäßigen braunen oder rötlichen Flecken und Sprenkeln.
Brutdauer
Ca. 38-41 Tage, hauptsächlich vom Weibchen bebrütet.
Nestlingsdauer
Ca. 50-55 Tage nach dem Schlupf. Die Jungvögel bleiben nach dem Ausfliegen noch einige Wochen in der Nähe des Horstes und werden von den Eltern gefüttert.
Elterliche Fürsorge
Beide Elternteile beteiligen sich an der Aufzucht der Jungen. Das Weibchen brütet und hudert, während das Männchen hauptsächlich Nahrung herbeischafft. Später jagen beide Elternteile.

Wo zu finden

Brutgebiete in Europa

In Deutschland vor allem in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Polen, Weißrussland, Ukraine, Baltikum und Russland.

Zugwege

Während des Herbst- und Frühjahrszuges an bekannten Zugvogel-Beobachtungspunkten, insbesondere an Engstellen wie dem Bosporus oder Gibraltar (obwohl Gibraltar weniger relevant für diese Art ist).

Überwinterungsgebiete

Südliches und östliches Afrika, z.B. in Tansania, Sambia, Simbabwe.

Feldtipps

  1. Beobachtungszeitpunkt. Am besten während der Brutzeit (Mai-Juli) in den Brutgebieten oder während des Zuges (August/September und April/Mai) an bekannten Zugrouten. In den Brutgebieten sind sie am aktivsten am Morgen und späten Nachmittag.
  2. Habitatwahl. Suchen Sie nach offenen Waldlandschaften mit angrenzenden Feuchtgebieten, Wiesen oder Ackerland. Achten Sie auf hohe Bäume, die als Horstbäume dienen könnten.
  3. Flugbild erkennen. Achten Sie auf den charakteristischen flachen V-Flug und die kompakte, rundliche Silhouette. Die hellen Karpalplatten sind ein wichtiges Merkmal.
  4. Rufe identifizieren. Lernen Sie den klagenden Ruf 'kiii-äh' kennen, der oft aus der Ferne zu hören ist.
  5. Geduld und Fernglas/Spektiv. Schreiadler sind oft scheu und halten Abstand. Ein gutes Fernglas oder Spektiv ist unerlässlich. Geduld ist der Schlüssel zur Beobachtung.

Ähnliche Arten

Schelladler

Clanga clanga

Der Schelladler ist größer und kräftiger gebaut als der Schreiadler. Adulte Schelladler sind einfarbig dunkelbraun, ohne die hellen Karpalplatten des Schreiadlers. Jungvögel des Schelladlers haben oft eine auffällige Reihe weißer Flecken auf den Flügeldecken. Im Flugbild hält der Schelladler die Flügel eher gerade oder leicht nach oben gewinkelt, während der Schreiadler einen flachen V-Flug zeigt. Der Ruf des Schelladlers ist tiefer und kräftiger ('gäk-gäk-gäk').

Mäusebussard

Buteo buteo

Der Mäusebussard ist kleiner und variabler in der Gefiederfärbung. Er hat oft eine hellere Unterseite mit einem dunklen Bauchfleck und dunklen Handgelenksflecken. Im Flugbild sind die Flügel des Mäusebussards breiter und runder, und er zeigt oft einen deutlichen V-Flug. Der Ruf des Mäusebussards ist ein miauendes 'miii-äh', das dem des Schreiadlers ähneln kann, aber meist weicher und weniger scharf ist.

Steinadler

Aquila chrysaetos

Der Steinadler ist deutlich größer und kräftiger als der Schreiadler. Adulte Steinadler sind dunkelbraun mit goldbraunem Nacken. Jungvögel haben auffällige weiße Basen an den Handschwingen und eine weiße Schwanzbasis mit breiter dunkler Endbinde. Im Flugbild sind die Flügel des Steinadlers länger und schmaler, und er segelt mit leicht angehobenen Flügeln.

Kurzinfos

Status:
Vulnerable (VU)
Zugverhalten:
Langstreckenzieher
Brutzeit:
Mai - Juli
Eier pro Gelege:
1-2
Nahrung:
Kleine Säugetiere, Amphibien, Reptilien
Flugbild:
Flacher V-Flug

Wissenswertes

  • Der Schreiadler ist die einzige Adlerart, die in Deutschland fast ausschließlich in einem einzigen Bundesland (Brandenburg) brütet, mit einem kleinen Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern.
  • Trotz seines Namens 'Schreiadler' ist sein Ruf nicht besonders laut oder aggressiv, sondern eher klagend und miauend.
  • Schreiadler sind bekannt für ihre Fähigkeit, auch in relativ kleinen Waldstücken zu brüten, solange diese an offene Jagdgebiete grenzen.
  • Sie sind sehr standorttreu und kehren oft über viele Jahre zum selben Horst oder in dessen unmittelbare Nähe zurück.
  • Die Art ist durch Lebensraumverlust, insbesondere durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Verlust von Feuchtgebieten, stark gefährdet.

Systematik

Reich
Animalia
Stamm
Chordata
Klasse
Aves
Ordnung
Accipitriformes
Familie
Accipitridae
Gattung
Clanga
Art
Clanga pomarina

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