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Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist eine weit verbreitete Greifvogelart aus der Familie der Falkenartigen. Er ist bekannt für seinen charakteristischen Rüttelflug, bei dem er in der Luft stehend nach Beute Ausschau hält. Als Kulturfolger ist er oft in der Nähe menschlicher Siedlungen anzutreffen.
Größe und Lebensdauer
- Länge
- 32-39 cm
- Flügelspannweite
- 65-82 cm
- Gewicht
- Männchen: 150-200 g, Weibchen: 190-300 g
- Lebensdauer
- Durchschnittlich 3-4 Jahre in freier Wildbahn, maximal bis zu 16 Jahre
- Nahrung
- Carnivore (Fleischfresser)
Körperliche Merkmale
- Gefieder
- Männchen: Rostbrauner Rücken mit schwarzen Flecken, blaugrauer Kopf und Schwanz (mit schwarzer Endbinde). Unterseite hell, oft mit dunklen Längsstreifen. Weibchen: Kopf und Schwanz rostbraun gebändert, Rücken stärker gebändert als beim Männchen. Unterseite stärker gestreift. Beide Geschlechter haben einen dunklen Bartstreif unter dem Auge.
- Schnabelform
- Kurzer, kräftiger, hakenförmiger Schnabel, blaugrau an der Basis, zur Spitze hin schwarz. Wachshaut gelb.
- Augenfarbe
- Dunkelbraun
- Beinfarbe
- Gelb
- Erkennungsmerkmale
- Charakteristischer Rüttelflug, langer Schwanz, schlanke Flügel, dunkler Bartstreif, Geschlechtsdimorphismus in der Gefiederfärbung.
- Jugendkleid
- Jungvögel ähneln den Weibchen, sind aber insgesamt matter gefärbt und haben eine stärkere Bänderung auf dem Schwanz. Die Wachshaut ist bläulich-grau und wird erst später gelb.
- Saisonale Veränderungen
- Keine signifikanten saisonalen Gefiederwechsel. Das Gefieder kann durch Abnutzung im Laufe des Jahres etwas heller oder matter wirken.
- Geschlechtsdimorphismus
- Deutlich ausgeprägt. Männchen haben einen blaugrauen Kopf und Schwanz, Weibchen sind am Kopf und Schwanz rostbraun gebändert. Weibchen sind zudem größer und schwerer als Männchen.
Bestimmung
- 1
Rüttelflug
Achten Sie auf den charakteristischen Rüttelflug, bei dem der Vogel mit schnellen Flügelschlägen an einer Stelle in der Luft verharrt, oft über Feldern oder Wiesen.
- 2
Gefiederfärbung (Geschlechtsunterschiede)
Männchen haben einen blaugrauen Kopf und Schwanz, Weibchen sind am Kopf und Schwanz rostbraun gebändert. Dies ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal.
- 3
Silhouette und Größe
Ein mittelgroßer Falke mit schlanker Statur, langen, spitzen Flügeln und einem relativ langen Schwanz. Im Vergleich zu Bussarden wirkt er viel graziler.
- 4
Rufe
Das schrille, schnelle 'kik-kik-kik-kik' ist oft schon aus der Ferne zu hören und verrät die Anwesenheit des Turmfalken.
- 5
Bartstreif
Der dunkle Bartstreif unter dem Auge ist bei beiden Geschlechtern vorhanden und ein gutes Erkennungsmerkmal.
Lebensraum und Verbreitung
- Biome
- Offene Landschaften, Kulturland, Heidelandschaften, Steppen, halboffene Wälder, Städte und Dörfer.
- Verbreitungsgebiet
- Weit verbreitet in Europa, Asien und Afrika. In Europa von Skandinavien bis zum Mittelmeer, in Asien bis nach Japan und in Afrika südlich der Sahara.
- Höhenverbreitung
- Von Meereshöhe bis etwa 4500 m in Gebirgsregionen.
- Bevorzugte Lebensräume
- Bevorzugt offene oder halboffene Landschaften mit niedriger Vegetation zur Jagd und erhöhte Sitzwarten oder Nistplätze (Felsen, Gebäude, Bäume).
Verhalten
- Aktivitätszeit
- Tagaktiv (diurnal).
- Fressgewohnheiten
- Hauptsächlich Kleinsäuger (Mäuse, Wühlmäuse), aber auch Großinsekten (Heuschrecken, Käfer), kleine Vögel und Reptilien. Jagt oft im Rüttelflug, stürzt sich dann auf die Beute am Boden. Kann auch von einer Warte aus jagen.
- Sozialverhalten
- Meist einzeln oder paarweise anzutreffen. Außerhalb der Brutzeit können sich an reichhaltigen Nahrungsquellen auch mehrere Vögel versammeln.
- Flugmuster
- Charakteristischer Rüttelflug, bei dem er mit schnellen Flügelschlägen gegen den Wind in der Luft steht. Ansonsten kräftiger, direkter Flug mit schnellen Flügelschlägen und kurzen Gleitphasen.
- Zugverhalten
- Teilzieher. Viele Populationen in Mittel- und Westeuropa sind Standvögel. Nord- und osteuropäische Populationen ziehen im Winter in südlichere Gebiete Europas und Afrikas. Der Zug erfolgt meist tagsüber.
- Territorialverhalten
- Verteidigt das Brutrevier, insbesondere den Nistplatz, aggressiv gegen Artgenossen und andere Greifvögel.
Gesang und Rufe
- Gesang
- Kein eigentlicher Gesang. Die Rufe sind meist schrill und aufgeregt.
- Ruf
- Häufigster Ruf ist ein schrilles, schnelles 'kik-kik-kik-kik' oder 'klee-klee-klee'. Bei Erregung oder am Nest auch ein langgezogenes 'wiiih'.
- Wann er ruft
- Besonders rufaktiv während der Brutzeit, bei der Balz, am Nest und bei Störungen.
Brutverhalten
- Brutzeit
- März bis Juli, Hauptbrutzeit April/Mai.
- Nistgewohnheiten
- Nistet nicht selbst, sondern nutzt alte Krähennester, Horste anderer Greifvögel, Felsnischen, Baumhöhlen, aber auch Nischen an Gebäuden (Kirchtürme, Ruinen) oder spezielle Nistkästen.
- Gelegegröße
- 3-7 Eier
- Eibeschreibung
- 3-7 Eier, meist 4-6. Oval, hellbraun bis rötlichbraun, dicht gesprenkelt oder gefleckt mit dunkleren Brauntönen.
- Brutdauer
- 27-32 Tage, hauptsächlich vom Weibchen bebrütet.
- Nestlingsdauer
- 28-32 Tage nach dem Schlupf verlassen die Jungvögel das Nest. Werden danach noch 2-4 Wochen von den Eltern gefüttert.
- Elterliche Fürsorge
- Beide Elternteile beteiligen sich an der Aufzucht. Das Weibchen brütet und hudert, das Männchen versorgt das Weibchen und später die Jungvögel mit Nahrung.
Wo zu finden
Offene Landschaften
Felder, Wiesen, Heidelandschaften, Brachflächen, wo er Mäuse und andere Kleintiere jagen kann.
Städte und Dörfer
In urbanen Gebieten nistet er oft an hohen Gebäuden wie Kirchtürmen, Hochhäusern oder Ruinen und jagt in Parks oder auf Grünflächen.
Straßenränder und Autobahnen
Oft auf Telegrafenmasten, Stromleitungen oder Bäumen am Straßenrand sitzend, um nach Beute Ausschau zu halten.
Feldtipps
- Achten Sie auf den Rüttelflug. Dies ist das auffälligste Verhalten des Turmfalken und ein sicheres Zeichen für seine Anwesenheit. Er rüttelt oft über offenen Flächen.
- Suchen Sie nach erhöhten Sitzwarten. Turmfalken sitzen gerne auf exponierten Ästen, Strommasten, Telegrafenmasten oder Gebäudevorsprüngen, um die Umgebung zu überblicken.
- Hören Sie auf die Rufe. Das schrille 'kik-kik-kik' ist oft zu hören, besonders wenn der Vogel aufgeregt ist oder sich am Nest befindet.
- Beobachten Sie die Jagd. Wenn Sie einen Turmfalken rütteln sehen, bleiben Sie geduldig. Oft stürzt er sich nach einiger Zeit auf eine entdeckte Beute.
Ähnliche Arten
Rotfußfalke
Falco vespertinus
Der Rotfußfalke ist kleiner, schlanker und hat beim Männchen ein einheitlich schiefergraues Gefieder mit roten Hosen. Weibchen sind oberseits blaugrau und unterseits rostbraun gebändert. Der Rüttelflug ist weniger ausgeprägt.
Baumfalke
Falco subbuteo
Der Baumfalke ist größer, dunkler und hat eine deutlich andere Silhouette im Flug (längere, spitzere Flügel). Er jagt hauptsächlich Vögel und Großinsekten im schnellen Jagdflug, rüttelt kaum. Rote Hosen und ein dunkler Bartstreif sind ebenfalls Merkmale.
Mäusebussard
Buteo buteo
Obwohl der Mäusebussard ebenfalls Mäuse jagt, ist er deutlich größer und kräftiger gebaut. Er hat breitere, gerundete Flügel und einen kürzeren Schwanz. Sein Flugbild ist langsamer und er rüttelt nur selten und dann eher ungeschickt.
Kurzinfos
- Hauptmerkmal:
- Rüttelflug
- Nahrung:
- Mäuse, Großinsekten
- Nistplatz:
- Alte Nester, Felsnischen, Gebäude
- Zugverhalten:
- Teilzieher
- Status:
- Nicht gefährdet
Wissenswertes
- Der Turmfalke kann ultraviolettes Licht sehen, was ihm hilft, die Urinspuren von Mäusen zu erkennen und so deren Laufwege zu verfolgen.
- Sein wissenschaftlicher Name 'Falco tinnunculus' bedeutet 'klingelnder Falke', was auf seine schrillen Rufe anspielt.
- Turmfalken sind sehr anpassungsfähig und haben gelernt, auch in Großstädten erfolgreich zu brüten und zu jagen.
- Der Rüttelflug ist extrem energieaufwendig, aber sehr effektiv, um Beute in der offenen Landschaft zu lokalisieren.
Systematik
- Reich
- Animalia
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Falconiformes
- Familie
- Falconidae
- Gattung
- Falco
- Art
- Falco tinnunculus
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