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Die Sturmmöwe (Larus canus) ist eine mittelgroße Möwenart, die in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet ist. Sie ist bekannt für ihr elegantes Erscheinungsbild mit einem relativ kleinen Kopf und einem schlanken Schnabel. Ihr Name leitet sich von ihrer Vorliebe für stürmisches Wetter ab, bei dem sie oft an Küsten und über dem Meer zu beobachten ist. Sie ist eine opportunistische Allesfresserin und ein häufiger Anblick in Küstengebieten, an Binnengewässern und zunehmend auch in urbanen Umgebungen.
Größe und Lebensdauer
- Länge
- 40-46 cm
- Flügelspannweite
- 110-125 cm
- Gewicht
- 300-550 g
- Lebensdauer
- Bis zu 20 Jahre in freier Wildbahn, durchschnittlich 10-15 Jahre
- Nahrung
- Omnivor (Allesfresser)
Körperliche Merkmale
- Gefieder
- Adulte Vögel im Brutkleid haben einen reinweißen Kopf, Hals, Unterseite und Schwanz. Der Rücken und die Flügeloberseiten sind hellgrau. Die Flügelspitzen sind schwarz mit weißen 'Spiegeln'. Im Ruhekleid ist der Kopf und Nacken fein dunkel gestrichelt oder gefleckt.
- Schnabelform
- Relativ schlank und spitz zulaufend, gelbgrünlich mit einer dunklen Binde im Brutkleid, im Winter eher gelblich mit dunkler Spitze.
- Augenfarbe
- Dunkel mit einem schmalen roten Augenring
- Beinfarbe
- Gelbgrünlich
- Erkennungsmerkmale
- Im Vergleich zu größeren Möwenarten wirkt die Sturmmöwe zierlicher und eleganter. Ihr Schnabel ist schlanker und weniger kräftig als der von Silbermöwen. Die gelbgrünen Beine und der gelbgrünliche Schnabel mit dunkler Binde (im Brutkleid) sind gute Erkennungsmerkmale.
- Jugendkleid
- Jungvögel sind im ersten Winter bräunlich gefleckt und gebändert, mit einem dunklen Schnabel und dunklen Beinen. Sie entwickeln ihr adultes Gefieder über 2-3 Jahre. Im zweiten Winter sind sie heller, mit grauerem Rücken und noch dunklen Flecken am Kopf und auf den Flügeln.
- Saisonale Veränderungen
- Im Brutkleid (Frühling/Sommer) ist der Kopf reinweiß. Im Ruhekleid (Herbst/Winter) ist der Kopf und Nacken fein dunkel gestrichelt oder gefleckt. Die Schnabelfarbe kann im Winter etwas matter sein und die dunkle Binde deutlicher hervortreten.
- Geschlechtsdimorphismus
- Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden, Männchen sind tendenziell geringfügig größer.
Bestimmung
- 1
Größe und Statur
Achten Sie auf die mittelgroße, elegante Erscheinung. Sie ist kleiner als Silber- oder Heringsmöwen, aber größer als Lachmöwen.
- 2
Schnabel
Der schlanke, gelbgrünliche Schnabel mit einer dunklen Binde (im Brutkleid) ist ein gutes Merkmal. Bei Jungvögeln ist der Schnabel ganz dunkel.
- 3
Beine
Die gelbgrünlichen Beine sind ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Möwenarten mit rosa oder dunklen Beinen.
- 4
Gefieder
Der hellgraue Rücken und die weißen Flügelspiegel auf den schwarzen Handschwingen sind charakteristisch für adulte Vögel. Im Winter auf die feine Strichelung am Kopf achten.
- 5
Rufe
Die hohen, klagenden 'klee-oo'-Rufe sind typisch und helfen bei der Abgrenzung zu den tieferen Rufen größerer Möwen.
Lebensraum und Verbreitung
- Biome
- Küsten, Flussmündungen, Seen, Flüsse, Feuchtgebiete, Agrarlandschaften, städtische Gebiete
- Verbreitungsgebiet
- Brütet in Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika. Überwintert in West- und Südeuropa, im Mittelmeerraum, an den Küsten Nordafrikas, in Südasien und an den Küsten Nordamerikas.
- Höhenverbreitung
- Meereshöhe bis etwa 500 m, selten höher
- Bevorzugte Lebensräume
- Offene Küstenlinien, Strände, Dünen, Flussmündungen, Häfen, landwirtschaftliche Flächen, Mülldeponien, aber auch Binnenseen und größere Flüsse, besonders außerhalb der Brutzeit.
Verhalten
- Aktivitätszeit
- Tagaktiv
- Fressgewohnheiten
- Opportunistischer Allesfresser. Ernährt sich von Fischen, Insekten, Würmern, Krebstieren, kleinen Nagetieren, Vogeleiern und Küken, Aas, Abfällen und pflanzlicher Nahrung wie Beeren. Sucht Nahrung oft am Strand, auf Feldern oder in der Nähe von Menschen.
- Sozialverhalten
- Brütet in Kolonien, oft gemischt mit anderen Möwenarten. Außerhalb der Brutzeit gesellig, bildet große Schwärme an Schlafplätzen und Nahrungsquellen.
- Flugmuster
- Eleganter, leichter Flug mit kräftigen Flügelschlägen. Segelt oft auf Windströmungen. Im Suchflug über Wasser oft mit langsamen Flügelschlägen und kurzen Gleitphasen.
- Zugverhalten
- Teilzieher und Kurzstreckenzieher. Nordeuropäische und asiatische Populationen ziehen im Winter in südlichere Gebiete. Mitteleuropäische Populationen sind oft Standvögel oder Kurzstreckenzieher. Nordamerikanische Populationen (als 'Mew Gull' bekannt) ziehen ebenfalls südwärts.
- Territorialverhalten
- Verteidigt das Nest und einen kleinen Bereich darum während der Brutzeit. Außerhalb der Brutzeit weniger territorial.
Gesang und Rufe
- Gesang
- Kein eigentlicher Gesang. Die Rufe sind vielfältig und dienen der Kommunikation.
- Ruf
- Typischer Ruf ist ein hohes, klagendes 'klee-oo' oder 'kiaa'. Auch ein kurzes, bellendes 'gag-ag-ag' oder 'kja-kja-kja' ist zu hören, besonders bei Erregung oder zur Warnung. Die Rufe sind weniger tief und rauer als die der Silbermöwe.
- Wann er ruft
- Ganzjährig zu hören, besonders aber während der Brutzeit in den Kolonien und bei der Nahrungssuche.
Brutverhalten
- Brutzeit
- April bis Juli
- Nistgewohnheiten
- Nistet in Kolonien, oft an Küsten, auf Inseln, in Dünen, an Flussufern oder auf Dächern in Städten. Das Nest ist eine flache Mulde, ausgekleidet mit Pflanzenmaterial wie Gräsern, Algen und Federn.
- Gelegegröße
- 2-4 Eier (meist 3)
- Eibeschreibung
- 2-4 Eier, meist 3. Olivgrün bis bräunlich mit dunklen Flecken und Kritzeln. Größe ca. 50-60 x 35-40 mm.
- Brutdauer
- 24-27 Tage
- Nestlingsdauer
- 30-35 Tage nach dem Schlüpfen
- Elterliche Fürsorge
- Beide Elternteile brüten und füttern die Küken. Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlüpfen, bleiben aber in der Nähe und werden von den Eltern versorgt.
Wo zu finden
Küsten und Strände
Häufig an allen europäischen Küsten, besonders an sandigen Stränden, Felsenküsten und in Häfen.
Binnengewässer
An größeren Seen und Flüssen, besonders außerhalb der Brutzeit und während des Zugs.
Agrarlandschaften und Mülldeponien
Auf Feldern bei der Nahrungssuche oder an Mülldeponien, wo sie nach Abfällen suchen.
Städtische Gebiete
Zunehmend auch in Städten, wo sie auf Dächern brüten und in Parks oder an Gewässern Nahrung suchen.
Feldtipps
- Beobachtungszeitpunkt. Ganzjährig zu beobachten, aber besonders zahlreich während des Zugs und im Winter an den Überwinterungsgebieten.
- Verhalten. Achten Sie auf ihr elegantes Flugbild und ihre Art, Nahrung zu suchen – oft schreitend am Boden oder im Flachwasser.
- Kolonien. Suchen Sie während der Brutzeit nach Kolonien an geeigneten Brutplätzen, wo sie sehr aktiv und ruffreudig sind.
- Verwechslungsgefahr. Üben Sie die Unterscheidung zu Silbermöwen und Heringsmöwen, insbesondere anhand von Größe, Schnabel- und Beinfarbe sowie Rufen.
Ähnliche Arten
Silbermöwe
Larus argentatus
Die Silbermöwe ist deutlich größer und kräftiger gebaut. Sie hat einen kräftigeren, gelben Schnabel mit einem roten Fleck am Unterschnabel und rosa Beine. Ihre Rufe sind tiefer und lauter.
Heringsmöwe
Larus fuscus
Die Heringsmöwe ist ebenfalls größer als die Sturmmöwe und hat einen dunkleren, schiefergrauen bis schwarzen Rücken. Ihre Beine sind gelb und der Schnabel ist gelb mit einem roten Fleck. Die Flügelspitzen sind weniger ausgeprägt weiß gefleckt.
Zwergmöwe
Hydrocoloeus minutus
Die Zwergmöwe ist viel kleiner als die Sturmmöwe. Adulte Zwergmöwen im Brutkleid haben einen schwarzen Kopf und einen dunklen Unterschwanz. Ihre Flügel sind auf der Unterseite dunkel.
Kurzinfos
- Wissenschaftlicher Name:
- Larus canus
- Familie:
- Laridae (Möwen)
- Größe:
- 40-46 cm
- Spannweite:
- 110-125 cm
- Gewicht:
- 300-550 g
- Lebensraum:
- Küsten, Binnengewässer, Agrarland, Städte
- Nahrung:
- Allesfresser (Fische, Insekten, Würmer, Abfälle)
- Brutzeit:
- April-Juli
- Eier pro Gelege:
- 2-4
- Schutzstatus:
- Nicht gefährdet (Least Concern)
Wissenswertes
- Der englische Name 'Common Gull' (gewöhnliche Möwe) spiegelt ihre weite Verbreitung und Häufigkeit wider.
- In Nordamerika wird die Unterart Larus canus brachyrhynchus als 'Mew Gull' bezeichnet und oft als eigene Art betrachtet.
- Sturmmöwen sind sehr anpassungsfähig und haben gelernt, in urbanen Gebieten zu brüten und Nahrung zu finden.
- Sie folgen oft Pflügen auf Feldern, um freigelegte Würmer und Insekten zu fressen.
Systematik
- Reich
- Animalia
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Charadriiformes
- Familie
- Laridae
- Gattung
- Larus
- Art
- Larus canus
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