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Nachtreiher (Nycticorax nycticorax)

Nachtreiher

Least Concern (nicht gefährdet)

Nycticorax nycticorax

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Über den Vogel

Der Nachtreiher ist ein mittelgroßer Reiher, der sich durch seine nachtaktive Lebensweise auszeichnet. Jungvögel unterscheiden sich deutlich von den Altvögeln durch ihr braun gesprenkeltes Gefieder und sind oft schwerer zu identifizieren. Sie sind in Feuchtgebieten weltweit verbreitet.

Größe und Lebensdauer

Länge
58-65 cm
Flügelspannweite
90-112 cm
Gewicht
500-800 g
Lebensdauer
Bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn
Nahrung
Carnivore (Fische, Amphibien, Insekten, Krebstiere, kleine Säugetiere)

Körperliche Merkmale

Gefieder
Jungvögel: Oberseite braun mit hellen, tropfenförmigen Flecken; Unterseite hellbraun-weißlich gestreift. Altvögel: Oberkopf und Rücken glänzend schwarz, Flügel und Schwanz grau, Unterseite weiß. Zwei bis drei lange, weiße Schmuckfedern am Hinterkopf während der Brutzeit.
Schnabelform
Kräftiger, spitzer, dunkelgrauer bis schwarzer Schnabel. Bei Jungvögeln oft mit gelblicher Basis.
Augenfarbe
Jungvögel: Gelb-orange. Altvögel: Leuchtend rot.
Beinfarbe
Jungvögel: Gelblich-grünlich. Altvögel: Gelb, während der Brutzeit leuchtend rot.
Erkennungsmerkmale
Jungvögel: Das stark gefleckte und gestreifte braune Gefieder ist charakteristisch. Die gelb-orangefarbenen Augen und die gelblich-grünen Beine sind weitere Merkmale. Die Proportionen sind gedrungener als bei anderen Reihern.
Jugendkleid
Das Jugendkleid ist sehr auffällig und unterscheidet sich stark vom Adultkleid. Es ist braun mit zahlreichen hellen Flecken auf der Oberseite und dunklen Streifen auf der hellen Unterseite. Die Augen sind gelb-orange, die Beine gelblich-grün. Dieses Gefieder wird im ersten Lebensjahr getragen, bevor es in das erste Alterskleid übergeht, das dem Adultkleid ähnlicher ist, aber noch Reste des Jugendkleides zeigen kann.
Saisonale Veränderungen
Jungvögel behalten ihr Jugendkleid für etwa ein Jahr. Altvögel zeigen während der Brutzeit leuchtend rote Beine und die charakteristischen weißen Schmuckfedern am Hinterkopf. Außerhalb der Brutzeit sind die Beine gelb und die Schmuckfedern können fehlen oder weniger ausgeprägt sein.
Geschlechtsdimorphismus
Kein ausgeprägter Sexualdimorphismus im Gefieder. Männchen sind tendenziell etwas größer als Weibchen.

Bestimmung

  1. 1

    Gefieder (Jungvogel)

    Achten Sie auf das braune Gefieder mit den auffälligen hellen, tropfenförmigen Flecken auf der Oberseite und den dunklen Streifen auf der hellen Unterseite. Dies ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu Altvögeln und anderen Reiherarten.

  2. 2

    Augenfarbe

    Die gelb-orangefarbenen Augen sind ein gutes Merkmal für Jungvögel. Altvögel haben leuchtend rote Augen.

  3. 3

    Beinfarbe

    Gelblich-grüne Beine sind typisch für Jungvögel. Altvögel haben gelbe Beine, die in der Brutzeit rot werden.

  4. 4

    Körperform

    Nachtreiher wirken gedrungener und kompakter als andere Reiherarten, besonders im Flug mit eingezogenem Hals.

  5. 5

    Aktivitätszeit

    Suchen Sie in der Dämmerung oder nachts nach ihnen. Tagsüber sind sie oft versteckt und schwer zu entdecken.

  6. 6

    Ruf

    Der charakteristische, raue 'quok'-Ruf, besonders nachts, ist ein sicheres Indiz für die Anwesenheit eines Nachtreihers.

Lebensraum und Verbreitung

Biome
Feuchtgebiete, Sümpfe, Flussauen, Seen, Teiche, Mangroven, Reisfelder
Verbreitungsgebiet
Fast weltweit verbreitet: Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika. In Europa vor allem in Südeuropa, aber auch Brutvorkommen in Mitteleuropa (z.B. Deutschland, Österreich).
Höhenverbreitung
Meist in tiefer gelegenen Gebieten, selten über 1000 m.
Bevorzugte Lebensräume
Flache, stehende oder langsam fließende Gewässer mit dichter Ufervegetation (Schilf, Bäume, Sträucher) zum Verstecken und Nisten. Auch in Kulturlandschaften mit geeigneten Gewässern.

Verhalten

Aktivitätszeit
Vorwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber ruhen sie oft versteckt in Bäumen oder dichter Vegetation.
Fressgewohnheiten
Hauptsächlich nachtaktiv bei der Nahrungssuche, aber auch in der Dämmerung und gelegentlich tagsüber aktiv. Lauerjäger, der regungslos am Ufer oder auf Ästen über dem Wasser wartet und blitzschnell zuschlägt. Frisst Fische, Amphibien (Frösche, Kaulquappen), Wasserinsekten, Krebstiere, aber auch kleine Säugetiere und Vögel.
Sozialverhalten
Brütet in Kolonien, oft zusammen mit anderen Reiherarten. Außerhalb der Brutzeit können sie einzeln oder in kleinen Gruppen an Schlafplätzen beobachtet werden. Jungvögel bleiben oft in Gruppen zusammen.
Flugmuster
Fliegt mit langsamen, kräftigen Flügelschlägen. Im Flug wirken Kopf und Hals eingezogen, die Beine ragen über den Schwanz hinaus. Wirkt im Flug gedrungen und rundlich.
Zugverhalten
Teilzieher. Populationen in kälteren Regionen sind Zugvögel und überwintern in wärmeren Gebieten (z.B. Afrika südlich der Sahara). Südeuropäische Populationen sind Standvögel oder Kurzstreckenzieher. Jungvögel zeigen oft eine ausgeprägtere Dispersions- und Zugneigung als Altvögel.
Territorialverhalten
Brutpaare verteidigen einen kleinen Bereich um ihr Nest innerhalb der Kolonie. Außerhalb der Brutzeit weniger territorial.

Gesang und Rufe

Gesang
Kein eigentlicher Gesang. Die Rufe sind meist krächzend und rau.
Ruf
Der häufigste Ruf ist ein lautes, raues 'quok' oder 'kwark', das oft im Flug oder bei der Nahrungssuche in der Nacht zu hören ist. Dieser Ruf ist sehr charakteristisch und hat dem Vogel seinen englischen Namen 'Night Heron' eingebracht. Jungvögel rufen oft ein heiseres 'tschschsch' oder 'ksssch'.
Wann er ruft
Hauptsächlich nachts und in der Dämmerung, besonders während des Fluges oder bei der Nahrungssuche. Auch in den Brutkolonien sind Rufe zu hören.

Brutverhalten

Brutzeit
Beginnt in Europa meist im April/Mai, kann aber je nach Region variieren.
Nistgewohnheiten
Nistet in Kolonien, oft in Bäumen oder hohen Sträuchern, manchmal auch im Schilf. Das Nest ist eine lose Plattform aus Ästen und Zweigen, ausgekleidet mit feinerem Material.
Gelegegröße
3-5 Eier
Eibeschreibung
3-5 Eier, blassblau-grünlich, ohne Flecken. Größe ca. 49 x 35 mm.
Brutdauer
21-26 Tage, beide Eltern brüten.
Nestlingsdauer
Die Jungvögel verlassen das Nest nach etwa 30-35 Tagen, sind aber erst mit 40-50 Tagen flugfähig und werden noch einige Zeit von den Eltern gefüttert.
Elterliche Fürsorge
Beide Elternteile beteiligen sich am Nestbau, Brüten und der Aufzucht der Jungvögel. Sie füttern die Jungen mit hochgewürgter Nahrung.

Wo zu finden

Feuchtgebiete

Sümpfe, Moore, Flussauen, Altarme und Uferbereiche von Seen und Teichen mit dichter Vegetation.

Brutkolonien

In Gebieten, wo Nachtreiher brüten, können sie in den Kolonien in Bäumen oder Schilfgürteln beobachtet werden. Oft sind diese Kolonien gemischt mit anderen Reiherarten.

Fischteiche und Reisfelder

In landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit geeigneten Gewässern sind sie auf Nahrungssuche zu finden.

Feldtipps

  1. Nachtaktive Beobachtung. Die besten Chancen, Nachtreiher zu sehen, sind in der Dämmerung oder nachts. Ein Fernglas und eventuell ein Spektiv sind hilfreich. Achten Sie auf ihre Rufe.
  2. Versteckte Lebensweise. Nachtreiher sind scheu und halten sich tagsüber oft gut versteckt in dichter Vegetation auf. Suchen Sie in Bäumen oder Sträuchern am Wasser.
  3. Geduld. Da sie Lauerjäger sind, können sie lange Zeit regungslos verharren. Geduld ist bei der Beobachtung entscheidend.
  4. Brutkolonien. Während der Brutzeit sind sie in Kolonien oft leichter zu finden, aber halten Sie Abstand, um die Vögel nicht zu stören.

Ähnliche Arten

Rohrdommel

Botaurus stellaris

Die Rohrdommel ist ebenfalls braun gefärbt und lebt versteckt im Schilf, ist aber deutlich größer und hat ein feiner gestreiftes Gefieder. Ihr Ruf ist ein tiefer, dumpfer 'Uuhm'-Laut. Jungvögel des Nachtreihers sind kleiner und haben eine deutlichere Fleckung.

Zwergdommel

Ixobrychus minutus

Die Zwergdommel ist viel kleiner als der Nachtreiher und hat ein anderes Gefiedermuster. Männchen sind schwarz-weiß, Weibchen und Jungvögel sind eher bräunlich, aber ohne die ausgeprägte Fleckung des jungen Nachtreihers.

Graureiher (Jungvogel)

Ardea cinerea

Jungvögel des Graureihers sind ebenfalls graubraun, aber deutlich größer und schlanker. Sie haben nicht die ausgeprägte Fleckung des jungen Nachtreihers und ihre Proportionen (langer Hals, lange Beine) sind typisch für 'echte' Reiher.

Kurzinfos

Aktivität:
Nachtaktiv und dämmerungsaktiv
Ernährung:
Fische, Amphibien, Insekten
Brutverhalten:
Koloniebrüter
Ruf:
Raues 'quok' oder 'kwark'
Jungvogel-Merkmal:
Braun gefleckt/gestreiftes Gefieder, gelb-orange Augen

Wissenswertes

  • Der Nachtreiher ist einer der wenigen Reiher, die hauptsächlich nachts jagen, was ihm seinen Namen einbrachte.
  • Jungvögel des Nachtreihers sehen so anders aus als die Altvögel, dass sie früher oft für eine eigene Art gehalten wurden.
  • Ihre roten Augen bei Altvögeln sind besonders auffällig und tragen zu ihrem mysteriösen Aussehen bei.
  • Nachtreiher können ihre Beute auch bei sehr schlechten Lichtverhältnissen präzise orten und fangen.

Systematik

Reich
Animalia
Stamm
Chordata
Klasse
Aves
Ordnung
Pelecaniformes
Familie
Ardeidae
Gattung
Nycticorax
Art
Nycticorax nycticorax

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