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Der Gartenrotschwanz ist ein kleiner, schlanker Singvogel aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Er ist bekannt für sein auffälliges, rostbraunes Schwanzgefieder, das er oft zitternd bewegt. Männchen sind farbenprächtiger als Weibchen und Jungvögel. Er ist ein Zugvogel, der in Europa und Westasien brütet und in Afrika überwintert. Sein Gesang ist melodisch und oft von Imitationen anderer Vogelarten durchsetzt.
Größe und Lebensdauer
- Länge
- 13-14.5 cm
- Flügelspannweite
- 21-24 cm
- Gewicht
- 11-19 g
- Lebensdauer
- 2-5 Jahre (maximal 8 Jahre)
- Nahrung
- Insektivor (hauptsächlich Insekten und Spinnen, im Spätsommer und Herbst auch Beeren)
Körperliche Merkmale
- Gefieder
- Männchen im Brutkleid: Oberseite schiefergrau, Kehle und Wangen schwarz, Stirn und Überaugenstreif weiß. Brust und Flanken rostrot-orange, Bauch heller. Schwanz und Bürzel leuchtend rostrot. Weibchen: Oberseite graubraun, Unterseite hellbraun bis orangebraun. Schwanz und Bürzel ebenfalls rostrot, aber matter als beim Männchen. Keine schwarzen oder weißen Kopfzeichnungen. Jungvögel: Gefleckt braun mit heller Unterseite, der rostrote Schwanz ist jedoch bereits erkennbar.
- Schnabelform
- Schlanker, spitzer Insektenfresser-Schnabel, schwarz.
- Augenfarbe
- Dunkelbraun
- Beinfarbe
- Schwarzbraun
- Erkennungsmerkmale
- Der leuchtend rostrote Schwanz, der ständig zittert, ist das auffälligste Merkmal. Beim Männchen die Kombination aus schiefergrauem Rücken, schwarzer Kehle und weißer Stirn.
- Jugendkleid
- Jungvögel sind oberseits dunkelbraun gefleckt und unterseits hellbraun mit dunklerer Fleckung. Der rostrote Schwanz ist jedoch schon vorhanden und ein gutes Erkennungsmerkmal. Sie ähneln jungen Rotkehlchen, haben aber den charakteristischen roten Schwanz.
- Saisonale Veränderungen
- Geringe saisonale Änderungen im Gefieder. Das Brutkleid der Männchen ist am intensivsten gefärbt. Im Herbst und Winter können die Farben durch Abnutzung und Federwechsel etwas matter wirken, aber die Grundmuster bleiben erhalten.
- Geschlechtsdimorphismus
- Stark ausgeprägt. Männchen sind deutlich farbenprächtiger mit kontrastreichen Kopfzeichnungen und intensiverer Rostfärbung. Weibchen sind unauffälliger braun gefärbt.
Bestimmung
- 1
Schwanz
Achten Sie auf den leuchtend rostroten Schwanz, der fast ständig zittert. Dies ist das markanteste Merkmal beider Geschlechter und Jungvögel.
- 2
Männchen im Brutkleid
Suchen Sie nach der Kombination aus schiefergrauem Rücken, schwarzer Kehle und Wangen, weißer Stirn und leuchtend orangeroter Brust. Das weiße Flügelfeld des Hausrotschwanzes fehlt.
- 3
Weibchen
Das Weibchen ist unauffälliger graubraun, aber der rostrote Schwanz ist immer noch deutlich sichtbar. Es hat keine schwarzen oder weißen Kopfzeichnungen.
- 4
Gesang
Lauschen Sie dem melodischen, oft melancholischen Gesang mit eingestreuten Imitationen. Er wird oft von einer exponierten Warte aus vorgetragen.
- 5
Verhalten
Beobachten Sie, wie der Vogel von einer Warte aus Insekten jagt und dabei oft den Schwanz zittert.
Lebensraum und Verbreitung
- Biome
- Gemäßigte Wälder, offene Wälder, Parks, Gärten, Obstgärten, Alleen, Friedhöfe, Waldränder.
- Verbreitungsgebiet
- Brutgebiet erstreckt sich über weite Teile Europas (von Westeuropa bis zum Ural) und Westasiens. Überwinterungsgebiete liegen in Subsahara-Afrika.
- Höhenverbreitung
- Von Meereshöhe bis etwa 2000 m in Gebirgsregionen.
- Bevorzugte Lebensräume
- Bevorzugt halboffene Landschaften mit alten Bäumen, die Höhlen für die Brut bieten, sowie ausreichend Unterholz und offene Flächen zur Nahrungssuche. Auch in menschlichen Siedlungen, sofern alte Bäume und Nistmöglichkeiten vorhanden sind.
Verhalten
- Aktivitätszeit
- Tagaktiv (diurnal).
- Fressgewohnheiten
- Insektenfresser. Sucht Nahrung hauptsächlich am Boden oder von exponierten Warten aus, von denen er Insekten im Flug fängt (Ansitzjagd). Frisst Spinnen, Käfer, Fliegen, Raupen, Ameisen und andere kleine Wirbellose. Im Spätsommer und Herbst ergänzt er seine Nahrung mit Beeren (z.B. Holunder, Eberesche, Johannisbeeren).
- Sozialverhalten
- Während der Brutzeit territorial und monogam. Außerhalb der Brutzeit eher einzelgängerisch, kann aber auf dem Zug in kleinen Gruppen auftreten.
- Flugmuster
- Schneller, direkter Flug mit kurzen Gleitphasen. Oft kurze Flüge zwischen Warten oder zum Boden. Charakteristisch ist das Zitter des Schwanzes, auch im Flug.
- Zugverhalten
- Langstreckenzieher. Die meisten europäischen Populationen ziehen im Spätsommer (August/September) nach Afrika südlich der Sahara und kehren im Frühjahr (April/Mai) in ihre Brutgebiete zurück. Der Zug erfolgt hauptsächlich nachts.
- Territorialverhalten
- Männchen verteidigen ihr Brutrevier energisch gegen Artgenossen und andere Höhlenbrüter. Der Gesang dient der Revierabgrenzung und Partnerwerbung.
Gesang und Rufe
- Gesang
- Der Gesang ist eine melodische, oft melancholisch klingende Strophe, die aus kurzen, klaren Pfeiftönen und oft eingestreuten Imitationen anderer Vogelarten besteht. Er beginnt oft mit einer klaren, pfeifenden Phrase, gefolgt von einer schnelleren, variableren Passage. Wird oft von einer exponierten Warte aus vorgetragen.
- Ruf
- Der häufigste Ruf ist ein weiches, klagendes 'hüid' oder 'fuit'. Bei Erregung ein scharfes 'tick-tick-tick' oder 'wiet-tick-tick'.
- Wann er ruft
- Hauptsächlich während der Brutzeit, von der Ankunft im Frühjahr bis zum Ende der Brutperiode im Frühsommer. Männchen singen am intensivsten in den frühen Morgenstunden und am Abend.
Brutverhalten
- Brutzeit
- Mai bis Juli, oft zwei Bruten pro Jahr.
- Nistgewohnheiten
- Höhlenbrüter. Nistet in Baumhöhlen, Spechthöhlen, Mauerlöchern, Nischen in Gebäuden, Holzstapeln oder auch in Nistkästen. Das Nest wird hauptsächlich vom Weibchen gebaut und besteht aus Moos, Grashalmen, Wurzeln und Tierhaaren.
- Gelegegröße
- 4-7 Eier
- Eibeschreibung
- 4-7 Eier, einfarbig hellblau, manchmal mit einem leichten Grünstich. Glatt und glänzend, ohne Flecken.
- Brutdauer
- 11-14 Tage, hauptsächlich vom Weibchen bebrütet.
- Nestlingsdauer
- 12-15 Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Jungvögel das Nest. Sie werden danach noch einige Zeit von beiden Eltern gefüttert.
- Elterliche Fürsorge
- Beide Elternteile füttern die Nestlinge und die Ästlinge. Das Weibchen brütet und hudert die Jungen, während das Männchen Nahrung herbeischafft und das Revier verteidigt.
Wo zu finden
Parks und Gärten
In städtischen und ländlichen Parks mit altem Baumbestand und Gärten mit Obstbäumen und Nistkästen.
Obstgärten und Alleen
Alte Obstgärten und Alleen bieten ideale Brut- und Nahrungsbedingungen.
Friedhöfe
Friedhöfe mit alten Bäumen und einer ruhigen Atmosphäre sind oft gute Beobachtungsorte.
Lichte Wälder und Waldränder
Bevorzugt lichte Laub- und Mischwälder sowie Waldränder mit Unterholz.
Feldtipps
- Früher Morgen und später Nachmittag. Dies sind die aktivsten Zeiten für die Nahrungssuche und den Gesang, besonders während der Brutzeit.
- Achten Sie auf den Schwanz. Der zitternde rote Schwanz ist das beste Erkennungsmerkmal, selbst wenn der Vogel im Schatten sitzt.
- Lauschen Sie dem Gesang. Der melodische Gesang ist oft der erste Hinweis auf die Anwesenheit eines Gartenrotschwanzes.
- Suchen Sie nach exponierten Warten. Gartenrotschwänze sitzen oft auf Baumspitzen, Ästen, Antennen oder Dächern, um nach Insekten Ausschau zu halten.
- Nistkästen anbieten. In geeigneten Lebensräumen können Nistkästen mit einem Einflugloch von ca. 32 mm Durchmesser den Gartenrotschwanz anlocken.
Ähnliche Arten
Hausrotschwanz
Phoenicurus ochruros
Der Hausrotschwanz-Männchen ist insgesamt dunkler, rußschwarz mit einem weißen Flügelfeld (fehlt beim Gartenrotschwanz). Das Weibchen ist grauer und weniger braun als das Gartenrotschwanz-Weibchen. Beide Arten haben den zitternden roten Schwanz, aber der Gartenrotschwanz ist insgesamt farbenprächtiger und hat eine weiße Stirn beim Männchen.
Rotkehlchen
Erithacus rubecula
Das Rotkehlchen hat eine leuchtend orange Brust und Kehle, aber keinen roten Schwanz. Es ist auch etwas rundlicher und hat eine andere Körperhaltung. Jungvögel des Rotkehlchens sind gefleckt, aber ihnen fehlt der rote Schwanz des jungen Gartenrotschwanzes.
Braunkehlchen
Saxicola rubetra
Das Braunkehlchen hat ebenfalls eine orange Brust und einen weißen Überaugenstreif, aber einen dunklen Schwanz mit weißen Seiten. Es ist eher ein Bewohner offener Graslandschaften und nicht so stark an Bäume gebunden wie der Gartenrotschwanz.
Kurzinfos
- Hauptmerkmal:
- Zitternder rostroter Schwanz
- Nahrung:
- Insekten, Spinnen, Beeren
- Nistplatz:
- Baumhöhlen, Mauerlöcher, Nistkästen
- Zugverhalten:
- Langstreckenzieher nach Afrika
- Gesang:
- Melodisch, oft mit Imitationen
Wissenswertes
- Der Name 'Rotschwanz' bezieht sich auf die auffällige Schwanzfärbung, die bei beiden Geschlechtern und Jungvögeln vorhanden ist.
- Gartenrotschwänze sind Höhlenbrüter und nehmen gerne Nistkästen an, was sie zu beliebten Gästen in Gärten macht.
- Männliche Gartenrotschwänze können in ihrem Gesang die Rufe und Gesänge anderer Vogelarten imitieren, was ihren Gesang sehr variabel macht.
- Der Gartenrotschwanz ist in einigen Regionen Europas, insbesondere in Westeuropa, im Rückgang begriffen, was auf Lebensraumverlust und Insektenschwund zurückgeführt wird.
- Die Art ist ein wichtiger Indikator für die Qualität von halboffenen Kulturlandschaften mit altem Baumbestand.
Systematik
- Reich
- Animalia
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Passeriformes
- Familie
- Muscicapidae
- Gattung
- Phoenicurus
- Art
- Phoenicurus phoenicurus
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