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Die Wasserralle ist ein scheuer, mittelgroßer Vogel aus der Familie der Rallenvögel, der sich bevorzugt in dichter Vegetation an Gewässern aufhält. Sie ist bekannt für ihren langen, roten Schnabel und ihre graue Brust. Aufgrund ihrer versteckten Lebensweise wird sie oft eher gehört als gesehen.
Größe und Lebensdauer
- Länge
- 23-28 cm
- Flügelspannweite
- 38-45 cm
- Gewicht
- 90-190 g
- Lebensdauer
- Durchschnittlich 2-3 Jahre, maximal bis zu 8 Jahre in freier Wildbahn
- Nahrung
- Omnivore (Insekten, Spinnen, Weichtiere, kleine Fische, Amphibien, Sämereien, Pflanzenmaterial)
Körperliche Merkmale
- Gefieder
- Adulte Vögel haben eine schiefergraue Brust und Bauch, einen braunen Rücken mit schwarzen Längsstreifen und eine braune Flankenzeichnung mit dunklen Querbinden. Die Unterschwanzdecken sind weiß mit schwarzen Querbinden. Der Kopf ist ebenfalls schiefergrau, mit einem dunkleren Scheitel und einem helleren Kehlbereich.
- Schnabelform
- Lang, schlank und leicht nach unten gebogen. Die Basis ist leuchtend rot, die Spitze dunkelbraun bis schwarz.
- Augenfarbe
- Rotbraun
- Beinfarbe
- Grünlich-braun bis fleischfarben, mit langen Zehen.
- Erkennungsmerkmale
- Der lange, rote Schnabel und die schiefergraue Brust sind die auffälligsten Merkmale. Die seitlichen Flanken sind deutlich gebändert. Der Schwanz ist kurz und oft aufgestellt.
- Jugendkleid
- Jungvögel sind insgesamt matter gefärbt. Die grauen Partien sind bräunlich-grau, der Schnabel ist weniger leuchtend rot und eher bräunlich-orange. Die Flankenbänderung ist weniger ausgeprägt.
- Saisonale Veränderungen
- Es gibt keine ausgeprägten saisonalen Gefiederwechsel. Das Gefieder kann im Laufe des Jahres durch Abnutzung etwas matter wirken.
- Geschlechtsdimorphismus
- Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Männchen können geringfügig größer sein und einen etwas kräftigeren Schnabel haben, dies ist jedoch im Feld nicht zuverlässig erkennbar.
Bestimmung
- 1
Größe und Gestalt
Mittelgroßer Rallenvogel, schlank, mit langem Hals und kurzem Schwanz. Wirkt oft gedrungen, wenn es sich durch die Vegetation bewegt.
- 2
Schnabel
Der auffälligste Hinweis ist der lange, schlanke, leuchtend rote Schnabel mit dunkler Spitze.
- 3
Gefieder
Schiefergraue Brust und Kopf, brauner Rücken mit schwarzen Längsstreifen, deutlich schwarz-weiß gebänderte Flanken.
- 4
Verhalten
Sehr scheu und versteckt sich meist in dichter Vegetation. Bewegt sich oft kriechend oder laufend. Fliegt nur ungern und kurz.
- 5
Stimme
Die charakteristischen, lauten und quietschenden Rufe, die an ein "Schweinequietschen" erinnern, sind oft der erste Hinweis auf ihre Anwesenheit.
Lebensraum und Verbreitung
- Biome
- Feuchtgebiete, Sümpfe, Schilfgürtel, Uferzonen von Seen und Flüssen, Gräben
- Verbreitungsgebiet
- Weite Teile Europas, Nordafrikas und Asiens. In Europa von Skandinavien bis zum Mittelmeer und von Westeuropa bis nach Russland.
- Höhenverbreitung
- Meist in tieferen Lagen, bis etwa 1000 m über dem Meeresspiegel, selten höher.
- Bevorzugte Lebensräume
- Dichte Röhrichtbestände, Schilfgürtel, Seggenriede, Weidengebüsche und andere dichte Ufervegetation an stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Wichtig ist das Vorhandensein von flachem Wasser und Schlammflächen zur Nahrungssuche.
Verhalten
- Aktivitätszeit
- Dämmerungsaktiv und nachtaktiv, besonders während der Nahrungssuche. Tagsüber meist versteckt in der Vegetation.
- Fressgewohnheiten
- Die Wasserralle sucht ihre Nahrung meist im Verborgenen, indem sie im Schlamm und in der Vegetation stochert. Sie frisst eine Vielzahl von Wirbellosen wie Insektenlarven, Würmer, Schnecken und Spinnen, aber auch kleine Fische, Kaulquappen und Frösche. Ergänzend werden Sämereien und andere Pflanzenteile aufgenommen.
- Sozialverhalten
- Einzelgängerisch oder paarweise während der Brutzeit. Außerhalb der Brutzeit eher solitär. Sehr scheu und versteckt lebend.
- Flugmuster
- Fliegt ungern und nur kurze Strecken, meist mit herabhängenden Beinen und schnellen Flügelschlägen. Der Flug wirkt unbeholfen. Sie bevorzugt es, bei Gefahr in der Vegetation zu verschwinden.
- Zugverhalten
- Teilzieher. Populationen in West- und Südeuropa sind oft Standvögel. Nord- und osteuropäische Populationen ziehen im Herbst in südlichere Gebiete, oft nach Südeuropa oder Nordafrika. Der Zug findet meist nachts statt.
- Territorialverhalten
- Während der Brutzeit verteidigen Paare ein Territorium, das sie mit lauten Rufen markieren.
Gesang und Rufe
- Gesang
- Der Gesang ist eine Serie von lauten, oft explosiven und quietschenden Rufen, die an ein "Schweinequietschen" oder "Ferkelgeschrei" erinnern können. Er besteht aus einer Abfolge von "krrrüü-krrrüü-krrrüü" oder "kuit-kuit-kuit" Rufen, die oft in der Tonhöhe ansteigen und abfallen.
- Ruf
- Neben dem Gesang gibt es verschiedene Kontakt- und Warnrufe. Ein häufiger Ruf ist ein scharfes, trockenes "kick" oder "krrk". Bei Erregung auch ein schnelles, rasselndes "krr-krr-krr".
- Wann er ruft
- Besonders aktiv in der Dämmerung und nachts, vor allem während der Brutzeit von März bis Juli. Auch außerhalb der Brutzeit können Rufe gehört werden, aber seltener.
Brutverhalten
- Brutzeit
- April bis Juli, oft zwei Bruten pro Jahr.
- Nistgewohnheiten
- Das Nest wird gut versteckt in dichter Ufervegetation, oft im Schilf oder Seggenried, dicht über dem Wasserspiegel oder auf einem kleinen Hügel gebaut. Es ist eine napfförmige Konstruktion aus Pflanzenmaterial wie Schilfhalmen, Gräsern und Blättern.
- Gelegegröße
- 5-12 Eier
- Eibeschreibung
- 5-12 Eier, meist 6-11. Die Eier sind oval, glatt und glänzend, cremefarben bis hellbraun mit feinen rotbraunen oder grauen Flecken und Punkten, die sich oft am stumpfen Ende verdichten.
- Brutdauer
- 19-20 Tage, beide Eltern brüten.
- Nestlingsdauer
- Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlüpfen. Sie werden von beiden Eltern geführt und sind nach etwa 7-8 Wochen flügge.
- Elterliche Fürsorge
- Beide Elternteile beteiligen sich am Brutgeschäft, der Aufzucht und Führung der Küken.
Wo zu finden
Schilfgürtel
Dichte Schilfbestände an Seen, Flüssen und Teichen sind bevorzugte Lebensräume.
Sümpfe und Moore
Feuchte Gebiete mit dichter Vegetation und flachem Wasser.
Uferzonen
Dichte Vegetation entlang von Gräben, Kanälen und langsam fließenden Gewässern.
Feldtipps
- Geduld und Tarnung. Die Wasserralle ist extrem scheu. Man muss oft lange und still an geeigneten Stellen verweilen, um sie zu Gesicht zu bekommen. Tarnkleidung kann hilfreich sein.
- Auf die Stimme achten. Hören Sie auf die charakteristischen Rufe, besonders in der Dämmerung. Oft ist die Stimme der einzige Hinweis auf ihre Anwesenheit.
- Früher Morgen oder späte Abendstunden. Die Wasserralle ist dämmerungsaktiv. Die besten Chancen, sie zu sehen oder zu hören, bestehen in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend.
- Bewegung am Ufer. Achten Sie auf leichte Bewegungen in der dichten Ufervegetation, die auf einen sich bewegenden Vogel hindeuten könnten.
Ähnliche Arten
Kleines Sumpfhuhn
Porzana parva
Das Kleine Sumpfhuhn ist deutlich kleiner, hat einen kürzeren, gelbgrünen Schnabel ohne Rotanteil und keine ausgeprägte Flankenbänderung. Die Beine sind grünlich.
Tüpfelsumpfhuhn
Porzana porzana
Das Tüpfelsumpfhuhn ist ebenfalls kleiner, hat einen kürzeren, gelben Schnabel mit roter Basis und ist auf der Oberseite und den Flanken deutlich getüpfelt. Die Brust ist olivbraun, nicht schiefergrau.
Teichhuhn
Gallinula chloropus
Das Teichhuhn ist größer, hat einen roten Stirnschild und einen roten Schnabel mit gelber Spitze. Es ist weniger scheu und schwimmt oft offen auf dem Wasser. Die Flanken sind weiß gestreift, nicht gebändert.
Kurzinfos
- Lebensraum:
- Dichte Röhrichte und Ufervegetation
- Ernährung:
- Insekten, Weichtiere, kleine Wirbeltiere, Sämereien
- Brutzeit:
- April - Juli
- Eier pro Gelege:
- 5-12
- Besonderheit:
- Sehr scheu, oft nur durch Rufe zu identifizieren
Wissenswertes
- Der wissenschaftliche Name 'Rallus aquaticus' bedeutet wörtlich 'Wasserralle', was ihre enge Bindung an aquatische Lebensräume unterstreicht.
- Trotz ihrer Flugfähigkeit bevorzugt die Wasserralle es, bei Gefahr zu laufen oder zu schwimmen und sich in der Vegetation zu verstecken, anstatt zu fliegen.
- Ihre seitlich abgeflachte Körperform ermöglicht es ihr, sich geschickt durch dichte Schilf- und Seggenbestände zu bewegen, was ihr den englischen Spitznamen 'rail' (Schiene) eingebracht hat.
- Die lauten, oft als 'Schweinequietschen' beschriebenen Rufe sind so charakteristisch, dass sie oft als einziger Hinweis auf die Anwesenheit der Wasserralle dienen, da der Vogel selbst so selten zu sehen ist.
Systematik
- Reich
- Animalia
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Gruiformes
- Familie
- Rallidae
- Gattung
- Rallus
- Art
- Rallus aquaticus
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