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Der Kanarienvogel (Serinus canaria), auch bekannt als Atlantikkanarie oder Wildkanarie, ist eine kleine Singvogelart aus der Familie der Finken. Er ist endemisch auf den Makaronesischen Inseln (Kanarische Inseln, Azoren und Madeira). Die domestizierte Form ist der bekannte Hauskanarienvogel, der in vielen Farb- und Formzuchten existiert. Hier wird der Wildkanarienvogel beschrieben.
Größe und Lebensdauer
- Länge
- 12.5 - 13.5 cm
- Flügelspannweite
- 20 - 23 cm
- Gewicht
- 12 - 20 g
- Lebensdauer
- 2 - 5 Jahre (in freier Wildbahn)
- Nahrung
- Granivor (Samenfresser), ergänzt durch Insekten
Körperliche Merkmale
- Gefieder
- Das Gefieder des Wildkanarienvogels ist überwiegend grünlich-gelb. Männchen sind leuchtender gelb-grün gefärbt, besonders an Kopf und Brust, mit dunkleren Streifen auf dem Rücken. Weibchen sind matter gefärbt, mit mehr Grau und weniger Gelb, besonders am Kopf und auf der Brust. Der Bauch ist heller, oft weißlich-gelb. Die Flügel und der Schwanz sind dunkelbraun mit helleren Rändern.
- Schnabelform
- Kurzer, kegelförmiger, kräftiger Schnabel, typisch für Samenfresser. Farbe ist hornfarben bis gräulich.
- Augenfarbe
- Dunkelbraun.
- Beinfarbe
- Grau-braun bis fleischfarben.
- Erkennungsmerkmale
- Relativ kleiner Fink mit kurzem Schwanz. Die gelb-grüne Färbung, insbesondere bei den Männchen, ist charakteristisch. Auffällig ist der kräftige Gesang der Männchen.
- Jugendkleid
- Jungvögel sind matter und stärker gestreift als adulte Vögel, insbesondere auf der Unterseite. Ihre Färbung ist insgesamt bräunlicher und weniger gelb-grün.
- Saisonale Veränderungen
- Geringe saisonale Veränderungen im Gefieder. Nach der Mauser im Spätsommer/Herbst kann das Gefieder etwas frischer und leuchtender wirken, aber es gibt keine ausgeprägten Brut- oder Ruhekleider wie bei anderen Arten.
- Geschlechtsdimorphismus
- Ja, ausgeprägt. Männchen sind deutlich leuchtender gelb-grün gefärbt, besonders an Kopf, Kehle und Brust. Weibchen sind matter, gräulicher und weniger gelb.
Bestimmung
- 1
Größe und Gestalt
Kleiner, kompakter Fink mit kurzem Schwanz. Etwas größer als ein Girlitz.
- 2
Gefiederfarbe (Männchen)
Leuchtend gelb-grün, besonders an Kopf und Brust. Rücken gestreift, Bauch heller.
- 3
Gefiederfarbe (Weibchen)
Matter und gräulicher als Männchen, weniger Gelb, stärkere Streifung.
- 4
Gesang
Sehr melodisch, abwechslungsreich, schnell und kräftig, mit Trillern und Pfeiftönen. Ein Schlüsselmerkmal zur Identifizierung.
- 5
Lebensraum
Ausschließlich auf den Makaronesischen Inseln (Kanaren, Azoren, Madeira) in offenen Wäldern, Gärten und Kulturlandschaften.
Lebensraum und Verbreitung
- Biome
- Subtropische Wälder, Buschland, Kulturlandschaften, Gärten, Obstplantagen.
- Verbreitungsgebiet
- Endemisch auf den Makaronesischen Inseln: Kanarische Inseln, Azoren und Madeira. Es gibt auch verwilderte Populationen in anderen Teilen der Welt, die von entflogenen Hauskanarienvögeln abstammen.
- Höhenverbreitung
- Von Meereshöhe bis etwa 1500 Meter, gelegentlich auch höher.
- Bevorzugte Lebensräume
- Bevorzugt offene Wälder, Waldränder, Heidelandschaften mit Büschen und kleinen Bäumen, Gärten, Parks und landwirtschaftlich genutzte Flächen mit Baumbestand. Wichtig ist das Vorhandensein von Samen tragenden Pflanzen.
Verhalten
- Aktivitätszeit
- Tagaktiv (diurnal).
- Fressgewohnheiten
- Hauptsächlich Samenfresser. Ernährt sich von Samen verschiedener Gräser, Kräuter und Bäume (z.B. Feigen, Kiefern). Gelegentlich werden auch kleine Insekten, insbesondere während der Brutzeit zur Fütterung der Jungen, gefressen. Sucht Nahrung oft am Boden oder in niedriger Vegetation.
- Sozialverhalten
- Außerhalb der Brutzeit oft in kleinen Schwärmen anzutreffen, manchmal auch in größeren Gruppen, die sich zur Nahrungssuche versammeln. Während der Brutzeit leben sie paarweise.
- Flugmuster
- Der Flug ist wellenförmig und schnell, typisch für Finken. Kurze Flüge zwischen Büschen und Bäumen sind häufig.
- Zugverhalten
- Standvogel. Die Populationen auf den Makaronesischen Inseln sind nicht migratorisch.
- Territorialverhalten
- Männchen verteidigen während der Brutzeit ein kleines Brutrevier, das sie mit ihrem Gesang markieren.
Gesang und Rufe
- Gesang
- Der Gesang des Wildkanarienvogels ist sehr melodisch, abwechslungsreich und komplex, bestehend aus einer schnellen Abfolge von Trillern, Pfeiftönen und rollenden Lauten. Er ist lauter und kräftiger als der Gesang vieler anderer Finkenarten und hat zur Domestizierung beigetragen. Männchen singen oft von erhöhten Warten aus.
- Ruf
- Häufigster Ruf ist ein kurzes, scharfes 'tschirp' oder 'tschilp'. Auch ein weicheres 'twee' oder 'twiit' ist zu hören. Alarmrufe sind schärfer und wiederholter.
- Wann er ruft
- Männchen singen hauptsächlich während der Brutzeit, um Reviere zu markieren und Weibchen anzulocken. Rufe sind das ganze Jahr über zu hören.
Brutverhalten
- Brutzeit
- Hauptsächlich von Januar/Februar bis Juli, kann aber je nach Insel und Wetterbedingungen variieren. Oft zwei bis drei Bruten pro Jahr.
- Nistgewohnheiten
- Das Nest wird vom Weibchen gebaut, meist in Büschen oder kleinen Bäumen, gut versteckt. Es ist ein kleines, napfförmiges Nest aus feinen Zweigen, Gräsern, Moos, Flechten und Spinnweben, ausgekleidet mit weichem Material wie Federn oder Pflanzenfasern.
- Gelegegröße
- 3-5 Eier.
- Eibeschreibung
- 3-5 Eier pro Gelege. Die Eier sind blassblau oder blassgrünlich-blau, oft mit feinen rötlich-braunen Flecken oder Kritzeln, besonders am stumpfen Ende. Größe ca. 17 x 13 mm.
- Brutdauer
- 13-14 Tage, hauptsächlich vom Weibchen bebrütet.
- Nestlingsdauer
- 14-17 Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Jungvögel das Nest. Sie werden danach noch einige Zeit von den Eltern gefüttert.
- Elterliche Fürsorge
- Beide Eltern füttern die Jungvögel, wobei das Weibchen in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen den Großteil der Fütterung übernimmt und das Männchen Futter herbeischafft.
Wo zu finden
Kanarische Inseln
Auf allen sieben Hauptinseln der Kanaren weit verbreitet und häufig.
Azoren
Auf allen Inseln der Azoren zu finden.
Madeira
Auf Madeira und Porto Santo verbreitet.
Gärten und Parks
In städtischen und ländlichen Gärten, Parks und Obstplantagen, wo Samen tragende Pflanzen und Bäume vorhanden sind.
Offene Wälder und Waldränder
In lichten Wäldern, an Waldrändern und in Heidelandschaften mit Buschwerk.
Feldtipps
- Achten Sie auf den Gesang. Der kräftige und melodische Gesang ist oft das erste, was auf die Anwesenheit eines Kanarienvogels hinweist. Männchen singen oft von erhöhten Warten wie Baumspitzen oder Antennen.
- Suchen Sie in geeigneten Habitaten. Konzentrieren Sie Ihre Suche auf Gärten, Parks, Obstplantagen und offene Waldgebiete auf den Makaronesischen Inseln.
- Beobachten Sie Futterplätze. Kanarienvögel suchen oft am Boden oder in niedriger Vegetation nach Samen. Beobachten Sie Bereiche mit Gräsern und Kräutern.
- Früher Morgen oder später Nachmittag. Wie viele Singvögel sind Kanarienvögel in den kühleren Stunden des Tages am aktivsten.
Ähnliche Arten
Girlitz
Serinus serinus
Der Girlitz ist kleiner und kompakter als der Wildkanarienvogel. Er hat eine deutlichere gelbe Färbung, insbesondere am Bürzel, und eine stärkere Streifung auf der Unterseite. Sein Gesang ist schneller und 'rasselnder' als der des Kanarienvogels.
Zitronenzeisig
Carduelis citrinella
Der Zitronenzeisig ist ebenfalls gelb-grünlich, aber seine Färbung ist oft reiner gelb und weniger grünlich. Er hat einen kürzeren Schwanz und einen feineren Schnabel. Sein Verbreitungsgebiet überschneidet sich nicht mit dem des Wildkanarienvogels (Alpen, Pyrenäen).
Grünfink
Chloris chloris
Der Grünfink ist größer und kräftiger gebaut als der Kanarienvogel. Er hat eine auffälligere gelbe Färbung an den Flügeln und am Schwanz. Sein Gesang ist weniger komplex und enthält oft ein charakteristisches 'dschüüüü-ih'.
Kurzinfos
- Heimat:
- Makaronesische Inseln (Kanaren, Azoren, Madeira)
- Gesang:
- Melodisch, komplex, kräftig
- Nahrung:
- Samen, gelegentlich Insekten
- Brutzeit:
- Januar/Februar - Juli
- Status:
- Nicht gefährdet (Least Concern)
Wissenswertes
- Der domestizierte Kanarienvogel stammt direkt vom Wildkanarienvogel ab und wurde bereits im 17. Jahrhundert in Europa als Käfigvogel populär.
- Die Fähigkeit des Wildkanarienvogels, eine Vielzahl von Melodien zu lernen und zu imitieren, machte ihn zu einem begehrten Haustier und führte zur Zucht von Gesangskanarien.
- Die gelbe Farbe, die man heute mit Kanarienvögeln assoziiert, ist das Ergebnis selektiver Zucht. Der Wildkanarienvogel ist eher grünlich-gelb.
- Kanarienvögel wurden früher in Kohlebergwerken eingesetzt, um vor giftigen Gasen zu warnen, da sie empfindlicher auf diese reagierten als Menschen.
Systematik
- Reich
- Animalia
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Passeriformes
- Familie
- Fringillidae
- Gattung
- Serinus
- Art
- Serinus canaria
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